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Veröffentlicht am 05.07.2023, 10:34

"Operation Wildgans"

Drogen-Villa in Graz gestürmt: Großer Schlag gegen Suchtgift­szene

Graz/Wien - Beamten gelang ein Ermittlungserfolg gegen organisierte Suchtmittelkriminalität: Eine serbische Tätergruppe hat rund eine Tonne Cannabiskraut jährlich in Verkehr gesetzt. Es kam zu mehreren Hausdurchsuchungen und Festnahmen in Graz und Wien.
von Anja Mandler4 Minuten Lesezeit (540 Wörter)

Details zu den Ermittlungen wurden am Mittwochvormittag, 5. Juli, im Zuge einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Vor Ort informierten Generalmajor Joachim Huber (Landespolizeidirektor-Stellvertreter), Chefinspektor Hermann OZWIRK (Fachbereichsleiter Suchtmittelkriminalität SPK Graz), Mag. Arnulf Rumpold (Mediensprecher Staatsanwaltschaft Graz) und Ministerialrat Niko Reith (Operativer Leiter Büro 3.1-Organisierte Kriminalität BK). So viel vorweg: Eine serbische Tätergruppe steht im Verdacht, jährlich rund eine Tonne Cannabiskraut illegal produziert und gewinnbringend in Umlauf gebracht zu haben. Grazer Kriminalisten hoben fünf industrielle Indoorplantagen in Graz und Wien mit insgesamt über 40 Aufzuchtzelten und rund 5.500 Pflanztöpfen aus. Es kam zu fünf Festnahmen.

Dealer mieteten eigene Villa

Ein Hinweis des Bundeskriminalamts (BK) führte Suchtgift-Ermittler der Grazer Kriminalpolizei Anfang dieses Jahres auf die Spur der serbischen Tätergruppe. Im Fokus stand eine seitens der Tatverdächtigen eigens angemietete Villa mit einer Gesamtfläche von 563 Quadratmetern in Mariatrost. Umfangreiche Ermittlungen mündeten Ende März 2023 in einer ersten Hausdurchsuchung, bei der das Einsatzkommando Cobra-Süd auch einen Anlagenbetreiber (35, Serbien) festnahm. Im besagten Wohnhaus stellten Polizisten schließlich eine industrielle Cannabis-Indoorplantage auf vier Etagen mit neun Aufzuchtzelten und knapp 1.500 Pflanztöpfen sicher. Auch rund 20 Kilogramm Cannabiskraut wurden als „Restware“ sichergestellt, nachdem ein Teil der Suchtmittel bereits weggebracht worden war.

Weitere Festnahmen in Wien

Weitere Erkenntnisse führten rund zwei Monate später (Ende Mai 2023) zu einem größeren und koordinierten Zugriff an insgesamt vier Örtlichkeiten in Wien. Dabei nahmen Spezialkräfte des Einsatzkommandos Cobra aus Wien und Wiener Neustadt den tatverdächtigen Haupttäter (39, Serbien), zwei als Anlagenbetreiber involvierte Serben (31 und 46) sowie einen 36-Jährigen fest. Zuletzt genannter steht im Verdacht, als Dolmetscher und Vermittler bei den Anmietungen der teils exklusiven Immobilien aktiv gewesen zu sein. Bei den seitens der Staatsanwaltschaft Graz
angeordneten Hausdurchsuchungen stellten die Beamten in den zwei Wohnungen und den beiden Einfamilienhäusern über 20 weitere und professionell betriebene Aufzuchtzelte sowie über 40 Kilogramm für den Verkauf produziertes Cannabiskraut sicher. Auch gefälschte Dokumente wurden sichergestellt.

Eine weitere Indoorplantage mit elf Aufzuchtzelten und rund 1.500 Pflanztöpfen stellten Kriminalisten schließlich bei einem dritten Zugriff Ende Juni 2023 in Wien sicher. Die Plantage in einem Einfamilienhaus war zuvor offenbar bereits auf Anweisung von „Hintermännern“ verlassen worden. Mehrere Säcke mit abgeschnittenen Cannabispflanzen und mehr als zwei Kilogramm Cannabis ließen die Tatverdächtigen jedoch zurück.

U-Haft verhängt – weitere Ermittlungen

Die fünf Tatverdächtigen im Alter von 31 bis 46 Jahren (davon eine Frau) befinden sich in der Justizanstalt Graz – Jakomini in Haft. Sie machten bislang, bis auf eine Ausnahme, keine Angaben zum Tatvorwurf. Über alle Personen wurde die Untersuchungshaft verhängt. Insgesamt wird aktuell gegen rund ein Dutzend Tatverdächtige ermittelt. Auch die Ermittlungen gegen weitere Hintermänner und Auftraggeber dieser Tätergruppe aus dem Westbalkan laufen weiter. Mit weiteren Festnahmen ist zu rechnen.

Verschlüsselte Kommunikation erschwert Ermittlungen

Erschwert werden Ermittlungen wie diese aufgrund der mittlerweile breit genutzten Kommunikation über verschlüsselte Messengerdienste, Dabei nutzen vor allem Tätergruppen in der organisierten Kriminalität vermehrt und bewusst derartige Technologien. Sie können – entgegen herkömmlicher Telekommunikation — mangels rechtlicher Grundlagen von österreichischen Ermittlungsbehörden aktuell nicht überwacht werden. Kriminelle Aktivitäten und Straftaten außerhalb der herkömmlichen Überwachungsmöglichkeiten seien daher anzunehmen, wie auch das BK bei der heutigen Pressenkonferenz betonte.

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