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Veröffentlicht am 06.09.2023, 10:24

Hohe Verbindlichkeiten

Sanierungs­verfahren beantragt: Über 14 Millionen Schulden

Traboch - Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) gibt bekannt, dass über das Vermögen der Pongratz Trailer-Group GmbH die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung beantragt wurde. Mit der Eröffnung ist zeitnah zu rechnen. Verbindlichkeiten von über 14 Millionen Euro stehen Aktiva von sieben Millionen Euro gegenüber.
von Redaktion 6 Minuten Lesezeit (779 Wörter)

Bereits 1971 wurde mit der Produktion von landwirtschaftlichen Maschinen und Equipment in Köflach begonnen, wobei in weiterer Folge das Produktportfolio ständig ausgebaut wurde. Mit dem ging auch eine laufende Erweiterung der Produktionsstätten einher. Seit Beginn der 1990er Jahre expandierte man europaweit. Im Jahr 2005 erfolgte eine Eröffnung einer Produktion in der Slowakei, 2011 wurde das Headquarter und die Produktion in Traboch eröffnet. Im Jahr 2014 erfolgte letztlich die Zusammenlegung der Produktion von Köflach und Traboch.

54 Dienstnehmer beschäftigt

In der nunmehrigen Form besteht das Unternehmen seit dem Jahr 1988. Aktuell firmiert das Unternehmen unter “Pongratz Trailer-Group GmbH”. Das nach den Aufzeichnungen im Firmenbuch zur Gänze geleistete Stammkapital in der Höhe von EUR 1.537.000,00 wird zu 90 Prozent von der UNEA Management GmbH und zu 10 Prozent von der XEO GmbH gehalten. Im Unternehmen sind aktuell 54 Dienstnehmer (25 Angestellte, 26 Arbeiter und drei nach deutschem Arbeitsrecht beschäftigte Vertriebsmitarbeiter) beschäftigt. Der Unternehmensgegenstand liegt in der Produktion, dem Vertrieb sowie dem Handel mit Fahrzeuganhängern. Das Produktportfolio umfasst Pritschenanhänger, Uploader, Kippanhänger, Motorradtransporter, Fahrzeugtransporter, Viehtransporter, Bootsanhänger, Faltanhänger und eine Vielzahl von Spezialfahrzeugen.

Beteiligungen in Tschechien

Das Unternehmen hält Beteiligungen in Tschechien (Pongratz s.r.o. Tschechien), wobei es sich um eine reine Vertriebsgesellschaft handelt, sowie in der Slowakei (Pongratz s.r.o. Slowakei), wobei in Modra eine betriebsnotwendige Produktionsstätte unterhalten wird. Bei den Gesellschaften handelt es sich um 100 prozentige Tochtergesellschaften. Hinsichtlich der Insolvenzursachen ist auszuführen, dass bis zum Geschäftsjahr 2021/2022 die Umsätze gesteigert werden konnten, zuletzt auf rund 30,19 Mio. Im Geschäftsjahr 2021/2022 wurde aber bereits ein Jahresverlust von rund EUR 1,214 Mio. erwirtschaftet. Dies ist insbesondere einer erheblichen Steigerung der Wareneinsatzquote sowie steigenden Personalkosten geschuldet. Nachdem sich dieser Trend fortsetzt wird auch für das Geschäftsjahr 2022/2023 mit einem deutlichen Jahresverlust gerechnet. In der Vergangenheit wurden die Verluste durch Gesellschafterbeiträge abgedeckt.

Verbindlichkeiten in Höhe von über 14 Mio.

Die bisherigen Gesellschafter haben sich bedingt durch eine neue strategische Ausrichtung und damit verbundenem Ausstieg aus der Automobilbranche dazu entschlossen, sich von der Pongratz- Gruppe zu trennen. Die aktuellen Gesellschafter haben die Beteiligung an der Antragstellerin mit dem Ziel einer umfassenden betriebswirtschaftlichen und finanziellen Restrukturierung übernommen. Die aktuelle kurzfristige Umsatzerwartung hat sich nochmals reduziert. Dies führte letztlich dazu, dass die finanzierende Hausbank auf Grund der schlechteren Sicherheitensituation die Vertragsauflösung erklärt hat und ein Habenkonto mit einem Guthaben von rund EUR 1,107 Mio. bis auf weiteres gesperrt hat. Somit ist Zahlungsunfähigkeit eingetreten. Unter going-concern Prämissen betragen die Verbindlichkeiten EUR 14.214.000 wovon rund EUR 5,5 Mio. auf nachrangige Gesellschafterfinanzierungen entfallen und rund EUR 1,319 Mio. betreffen Eventualverbindlichkeiten wegen möglicher Vertragsauflösungen, Beendigungsansprüche der Dienstnehmer sowie eine Haftung für die Produktionsstätte in der Slowakei/Modra als Bürge und Zahler.

Aktiva:

Die Aktiva betragen EUR 7.072.000. Hiervon sind rund EUR 3.012.000 durch Ab- und Aussonderungsrechte bzw. durch Aufrechnungslagen belastet, so betrifft dies die oben erwähnte Einlage, weiters sind die offenen Forderungen bis zur Insolvenzeröffnung auf Grund einer Globalzession abgetreten. Zu den Aktiva zählt auch die Liegenschaft EZ 239 KG 0333 Madstein, auf welcher sich das Headquarter der Pongratz-Gruppe befindet. Diese Liegenschaft ist nach den Darstellungen im Insolvenzantrag zwar pfandrechtlich belastet, nicht jedoch überlastet. Es ergeben sich sohin zu going-concern Werten freie Aktiva in der Höhe von EUR 4.060.000.

Weitere Vorgangsweise

Angestrebt wird eine Fortführung des Unternehmens unter Setzung von Reorganisationsmaßnahmen. So soll eine Sortimentsbereinigung hinsichtlich Artikeln mit negativen Deckungsbeiträgen erfolgen. Zum anderen werden Preisverhandlungen mit Lieferanten zu führen sein, da die Wareneinsatzquote im Branchenvergleich zu hoch ist. Weiteres Einsparungspotenzial erblickt man im Zusammenhang mit den erforderlichen Transportwegen zwischen dem Werk in Traboch und jenem in der Slowakei/Modra. Letztlich erachtet man es aber auch notwendig, die Personalkosten zu reduzieren. Im Hinblick auf das gesperrte Bankguthaben und die Zession der bis zur Insolvenzeröffnung generierten Kundenforderungen ist die Finanzierung des angestrebten Fortbetriebes sicherzustellen. Im Insolvenzantrag verweist man darauf, dass von Gesellschafterseite eine entsprechende finanzielle Unterstützung bereitgestellt werden soll. Zudem soll aus dem bestehenden Vorratsvermögen (Roh-,Hilfs- und Betriebsstoffe) Liquidität generiert werden. Der vorgelegte Finanzplan zeigt im ersten Monat eine massive Liquiditätsunterdeckung, jedoch in den Folgemonaten wird mit Liquiditätsüberschüssen zwischen EUR 106.000,00 bzw. EUR 202.000,00 gerechnet. Der entsprechende Überbrückungskredit von Gesellschafterseite soll kurzfristig nach Insolvenzeröffnung abgeschlossen werden. In weiterer Folge soll mit der Gläubigerschaft ein Sanierungsplan abgeschlossen werden, derzeit werden 30 Prozent binnen 2 Jahren angeboten. Die Finanzierung soll insbesondere durch eine Refinanzierung der betriebsnotwendigen Liegenschaft in Traboch, die weitere Veredelung der Vorratsbestände bzw. allenfalls auch mit Unterstützung eines trategischen Partners erfolgen. Der AKV gibt bekannt, dass nun beim Landesgericht Leoben über das Vermögen der Pongratz Trailer-Group GmbH ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eröffnet wurde.

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